Ach da stolpere ich durch einen Kollegen über folgenden Artikel:
“Music Nation” heißt die Internetversion von “Deutschland sucht den Superstar”. Plattenkonzerne stehen hinter dem US-Projekt. Es könnte dem Fernsehen als Unterhaltungsmedium den Garaus machen.
ui … ah … oh … das Fernsehen, defintiv mein Lieblingsmedium Nr. 1 liegt im sterben? Mein treuer, täglicher Begleiter seit dem sechsten Lebensjahr – ein Standard auf dem Weg nach draussen? OMFG, da muss ich natürlich weiterlesen:

In den USA geht deshalb am 15. November eine weitere Version des Gesangswettbewerbs an den Start. Das Projekt heißt Music Nation und ist eine recht genaue Kopie von “American Idol”. Es gibt eine wöchentliche Sendung, eine Jury und wohl auch viele Teilnehmer, die dem Publikum die Haare zu Berge stehen lassen. Doch einen wesentlichen Unterschied gibt es: Die Sendung findet im Internet statt. Und bekommt damit eine viel größere Bedeutung. Denn Music Nation hat das Potenzial, zum Sargnagel des Fernsehens zu werden und die Umstellung auf das Internet als wichtigstes Massenmedium zu beschleunigen.
“Das Projekt ist der erste wirklich vielversprechende Ansatz, Inhalte über das Netz zu transportieren”,
sagt Alex Soojung-Kim Pang vom kalifornischen Institute for the Future.
Jetzt wedel ich schon ein bischen weniger mit dem Schwanz – ein Gesangswettbewerb … wie kreativ. Die kommen im normalen TV schon scheisse. Als weiteres kreatives Web2.0 Merkmal ist es offensichtlich auch noch eine Kopie und sicherlich tierisch Beta – also auf störungfreies durchgucken sollte man nicht wetten. Und DAS soll jetzt das gute alte TV ablösen?
Selbst erklärte Talente aus den gesamten USA können Videos auf die Seite www.musicnation.com laden, die sie selbst beim Singen zeigen. Anfang 2007 beginnt dann der 15-wöchige Wettbewerb, an dessen Ende ein Plattenvertrag für den vom Publikum gewählten Künstler steht. Hinter dem Projekt stehen die Musikkonzerne Universal Music Group, EMI und Epic Records, die mit dem Seitenbetreiber zusammenarbeiten. Im kommenden Jahr wollen die Veranstalter auch Wettbewerbe in Europa und Asien starten.
[...]
Während der Nutzer dort jedoch ziellos von einem Clip zum nächsten klickt, gibt es bei der Onlinetalentsuche zum ersten Mal einen Inhalt, der mit einer Fernsehsendung vergleichbar ist: mit Fortsetzungen und einem Spannungsbogen, der die Nutzer immer wiederkommen lässt.
Endlich, die Fortsetzungs-Groschenoper auch im Internet und nicht nur im TV – und wahrscheinlich muss ich mich vorher auch noch anmelden und so quasi semi-öffentlich dazu stehen, dass ich mir den Ramsch auch noch reinziehe. Im guten alten TV konnte ich den Mist wenigsten anonym konsumieren. Und wer hat sich das ausgedacht – richtig, die Musikkonzerne, die ewigen Verlierer des Internetbooms und Blockierer des Standstreifens was die Verbreitung von Inhalten über neue Medien wie das Internet angeht. Das Ziel ist klar – zum Trend erzeugen bedient man sich gerne klickwütiger Schüler- und Studentenscharen, abkassiert wird dann später im DRM Download Portal oder (noch besser) good old fashioned im Plattenladen. Der Versuch ist so offensichtlich und stümperhaft peinlich, dass ich mich aus Mitleid doch glatt noch ein bischen weiter auf die zuckerige Schleimspur der Industrie wage:
Bisher stammt das Kapital der Firma komplett von Klaus und seinen Geschäftspartnern. Geld verdienen sie nur, wenn sich viele anmelden. Zunächst ist die Teilnahme kostenlos, ab Januar kostet sie 25 Dollar.
Hmmmm… klar – klein und niedlich das Projekt … Investoren kommen nur im Nebensatz vor … kommt mir irgendwie bekannt vor. Aber 25 Dollar ist schonmal eine Hausnummer – da überlegt man sich doch zweimal ob man das Geld in die Hand nimmt. Und jetzt endlich meldet sich auch mal ein trenderkennender Trendforscher (noch besser Zukunftsforscher) zu Wort und erteilt dem ganzen höchst wissenschaftliche Weihen:
Zukunftsforscher Pang überzeugt dieses Argument: “Menschen schauen sich gern zwei Dinge an: Tiere, die etwas Niedliches tun, und Menschen, die etwas Dummes tun”, sagt er. “Je mehr schlechte Sänger zu sehen sind, desto besser.” Ähnlich denken auch andere US-Konzerne. Fox Interactive Media plant etwa, seine Karaokeseite kSolo.com in das soziale Netzwerk MySpace zu integrieren und dort einen eigenen Wettbewerb zu starten.
Äh … Das ist vielleicht der Zeitpunkt aufzustehen und anzumerken, dass wir jetzt nicht wirklich noch mehr Scheisse, weder in Ausführung niedlich noch in der Ausführung gesanglich katastrophal brauchen? Ist es wirklich unmöglich einen Trend aus “etwas können” zu generieren und stattdessen nur aus “la-paloma-pfeifender süsser Hamster fällt auf die Fresse” Material? Da die Fernsehkanäle schon überfüllt sind versendet man jetzt den C-Klasse Ramsch der vom B-Klasse Ramsch abgefallen ist im Internet? schöne neue Welt … hey, GEZ, I want my money back …
RTL fürchtet die Konkurrenz der neuen Onlinewettbewerbe nach eigenen Angaben nicht. “Der Erfolg des Formats beruht wesentlich auf dem Massenerlebnis: Die Zuschauer sitzen zur selben Zeit vor dem Fernseher, schauen sich die Sendungen gemeinsam an und reden am nächsten Tag im Büro oder in der Schule darüber”, sagt Constantin Lange, Geschäftsführer von RTL Interactive. “Dieses Massengefühl fehlt im Internet.”
Messerscharf erkannt – Trends werden in Kaffeeküchen, Raucherräumen und auf Schulhöfen geboren – und da liegt meistens kein DSL – da fehlt einem alleine vor dem Rechner doch einfach dieses tolle Massengefühl – to boldly watch bullshit no one has watched before. In der aktuellen Trendgenerierungs-Manie scheint sowas allerdings unterzugehen.
Mit Blick auf die Gewinner der TV-Show dürfte Mandy das verschmerzen. Elli Erl, 27-jährige Rockröhre mit wuscheligem Kurzhaarschnitt, hat der Erfolg in der zweiten Staffel von “Deutschland sucht den Superstar” wenige gebracht. Sie ist wie die anderen Gewinner längst von der Bildfläche verschwunden. In Erinnerung bleiben nur die schlechten Sänger.
Ja – und weil das so ist möchte man uns per Internet soviele schlechte Sänger präsentieren wie sich nur auftreiben lassen – bis der Thalamus platzt. Ist jetzt und hier der Zeitpunkt mal nein zu sagen? Ich weiss nicht, ich versuche es einfach mal: Nein Danke!. Und solange es noch keine Fernbedienung für den FireFox gibt werde ich da auch nicht aus versehen mal reinzappen und hängenbleiben … safe!



