Tja, wer an kirchlichen Feiertagen Morgens Brötchen kaufen will hat es trotz Ausnahmegenehmigung schwer. Zumindest in meiner bevorzugten Brötchentanke schlängelte sich eine lange Schlange um alle Regale des Innenraums. Als deutscher Staatsbürger mit englischen Genen tut man da natürlich das was man am besten kann: sich anstellen. Interessanterweise schaffen es nicht alle diese einfachen Verhaltenstipps zu befolgen. Die Tanke ist mit zwei Leuten besetzt, einer verpackt und kassiert Brötchen und (eher selten) Sprit, der andere hält die Öfen am Laufen. Von den zwei Kassen ist nur eine geöffnet, die andere ist deutlich mit kleinen Pappaufstellern verbarrikadiert. Immer wieder stromern einzelne verwirrte Tanker rein, werfen einen angewiderten Blick auf die Schlange und positionieren sich locker von der verbarrikadierten Kasse. Suchende Blicke – leichtes hin und hergewanke. Kommt wohl einer zum kassieren? Nicht dass der Verdacht sonderlich nahe liegen würde. Nervöse Übersprungshandlungen – die Schokoriegel werden begutachtet – nach einigen Minuten endlich die vorsichtige Frage: Ist die Kasse auf? Finger deutet auf den grossen Plastik-Osterhasen der die Einflugschneise zur versperrten Kasse bewacht. Nein, die Kasse ist zu. Muss man sich an der anderen Kasse anstellen? Ja. Auch für Benzin? Ja, auch für Benzin – dabei genervte Blicke der Insassen der Schlange. Gleiches Spiel wiederholt sich in regelmässigen Abständen – scheinbar haben insbesondere SLK Cabrio Fahrer ein Grundsatzproblem mit der Kassensituation. Der Höhepunkt: älterer Mann mit Enkelkind an der Hand betritt die Tanke – kurzer Blick, dann laut und an die gesamte Schlange gewendet: OOOH ist das die Schlange? Konsternierte Blicke in der Schlange, kurzer Check ob nicht vielleicht doch eine entlaufene Boa Constrictor gemeint ist. Ja, das ist die Schlange. Wieder laut und an die versammelte Menge gerichtet: Na gut dass ich nicht muss wtf? Ist er der Besitzer der Tankstelle? Oder holt er gleich die 45er raus und schreit “Das ist ein Überfall, Honey-bunny”? Mit dieser Ansage schlurft er an der Schlange vorbei direkt zur besetzten Kasse. Empörte Frau aus der Schlange: “Wir stehen hier aber alle an, egal für was”. Mann dreht sich um und poltert laut: *Auch für Benzin?” Frau: “Ja, auch für Benzin, egal für was”. Mann, jetzt offensichtlich empört: Auch für Brötchen? Ja, auch für Brötchen – was alt alles so unter “egal für was” fällt. Höhepunkt der Erregung ist erreicht: Ich stelle mich doch nicht hier an – da warte ich doch 1.5 Stunden, da komme ich lieber in 1.5 Stunden wieder Klassischer Denkfehler: weder hätte er 1.5 Stunden gewartet, noch hätte er sich mit 1.5 Stunden Abwesenheit Platz 1 in der Schlange verdient. Quintessenz: Benzin hat er nicht gewollt, schliesslich ist er dann einfach wieder gegangen.



